Nachhaltiges und Zukunft fähiges Gärtnern

Serie

„Nachhaltiges und Zukunft fähiges Gärtnern“

 

Teil 1             Boden

Teil 2             Wasser

Teil 3             Pflanzen

Teil 4             Tiere

Teil 5             Gartengestaltung

Teil 6             Pestizide

Teil 7             Torf

Teil 8             Dünger

Teil 9             Rechtliches

Teil 10           Ausblick

 

 

Teil 1             Boden

Boden – die richtige Bodenbearbeitung im Garten

Das richtige Bearbeiten des Bodens wirft immer wieder Fragen und auch Missverständnisse auf. Hierbei sollte man grundlegende Arbeiten im Garten auch mal hinterfragen was überhaupt richtig und nachhaltig für unserem Gartenboden ist.

Im modernen und nachhaltigen Garten wird nicht mehr umgegraben, sondern nur noch gelockert und belüftet. Beim traditionalen Umgraben geraten die Bodenschichten durcheinander und vieles im Boden wird somit zerstört. Die luftliebenden (aeroben) Bodenlebewesen kommen durch das Umgraben nach unten und ersticken hierdurch. Die luftfliehenden (anaeroben) Lebewesen dagegen kommen nach oben, wo sie nicht existieren können. Das Umgraben ist nur bei einem sehr schweren und verdichteten Boden sinnvoll, um Ihn durch die natürliche Frostsprengung gefügiger zu machen oder durch das leichte Material mit ein gearbeitet wird. Ein tieferes Lockern des Bodens kann durch einen Sauzahn oder durch das anpflanzen von tiefer gehenden Gründüngungspflanzen erfolgen.

Jede Art der Bodenbearbeitung sollte zur Erhaltung und Förderung der Bodengare führen.

Ziel der Bodenbearbeitung ist, die Bodengare, das heißt, den höchsten und besten Pflanzenertrag zu erhalten beziehungsweise zu verbessern. Folgende Maßnahmen können hierzu hilfreich sein:

  • Humuszufuhr
  • Bodenbedeckung
  • Fruchtwechsel
  • Kein Umgraben
  • Hacken der Bodenoberfläche
  • Gründüngung

Es sollte ein verantwortungsbewusster und schonender Umgang des Bodens in jedem Garten erfolgen, denn das „Naturgut“ Boden ist weltweit nicht vermehrbar.

Noch immer verschwinden jeden Tag viele Hektar Land unter Beton und Asphalt.

 

Teil 2             Wasser

Wasser –Nutzung von Wasser im Garten

 

Wasser bringt ein Stück Leben und eine ökologische Quelle in ihren Garten. Ein Teich bietet beispielsweise Lebensraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten und dem Menschen interessante Stunden der Entspannung. Ein Feuchtbiotop (Gartenteich) kann in jedem Garten ein zu Hause finden. Von einem kleinen Wasserfass angefangen bis hin zum ausmodellierten Gartenteich von max. 10m2 Größe. Sie haben unendliche Möglichkeiten einen Lebensraum für Flora und Fauna zu schaffen. Die vielfältige Natur kommt dann schneller als Sie denken in Ihren Garten. Von Libellen über Frösche, Ringelnatter, Singvögel, Molche, Wasserpflanzen und vielem mehr. Bei der Anlage von Feuchtbiotopen ist es sehr wichtig auf die Lebensbereiche der Tiere im Winter zu achten z.B. durch geeignete Versteck- und Überwinterungsplätze. Nur dadurch finden die Tiere langfristig bei Ihnen ein geeignetes zu Hause.

Überzeugen Sie auch andere Gartenfreunde von Ihrem neuen Stück Natur im Garten. Denn hier wird aktiver Artenschutz in Gärten und Grünanlagen unterstützt. Denn jeder Lebensraum braucht Unterstützer! Die Vernetzung von mehreren Feuchtbiotopen in der Umgebung ist sehr zu empfehlen.

 

Vom aktiven Artenschutz hin zum richtigen Umgang mit Wasser im Garten.

Wasser sollte im Garten effektiv eingesetzt werden. Eine Möglichkeit wäre eine

Tröpfchenbewässerung im Garten. Diese Bewässerungstechnik, bei der an Schläuchen in regelmäßigen Abständen kleine Tropföffnungen integriert sind, über die nur eine geringe, aber exakte Wassermenge (tröpfchenweise, meist 2–4 l/h) weitgehend unabhängig vom Druck in der Rohrleitung abgegeben werden. Dieses System kann bei uns im Garten zur sparsamen und gezielten Bewässerung für Hecken, im Gewächshaus, auf Hoch- oder Hügelbeeten, in Gemüse- und Pflanzbeeten Einsatz finden. Ein offensichtlicher Vorteil ist die Einsparung von Wasser durch exakte punktgenaue Aufbringung des Wassers unter Vermeidung von Verdunstungsverlusten. Vorteilhaft ist das Verfahren besonders bei Böden mit geringer Wasserspeicherkapazität, hier wird langsam und gleichmäßig Wasser auf eine Stelle gebracht, wo es kontinuierlich im Boden einziehen kann und nicht zu schnell weggespült wird. So können die Wurzeln der Pflanze mit dem nötigen Nass versorgt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Blätter nicht benetzt werden und somit Pilzerkrankungen der Pflanzen nicht weiter gefördert werden.

Diese Tatsachen und neue Möglichkeiten sollten wir versuchen in unsere Gärten effektiv und nachhaltig zu verwirklichen.

 

Benötigte Materialien:

  • Trofschlauch (bis zu 200m länge an einem Druckminderer)
  • Druckminderer und Filter mit Klick-Anschluss (Gardenaanschluß)
  • Befestigungsspikes
  • Optional Bewässerungsuhr/Bewässerungscomputer
  • Verbindungsstücke, Winkelstücke

 

Aufbau:

Schlauch abrollen und in Bögen oder Geraden verlegen, je nach dem wie das Beet beschaffen ist. Fixieren und Befestigen. Probelauf. Der Tropfschlauch kann auch mit Mulchmaterial abgedeckt werden, dass er nicht mehr sichtbar ist.

 

Wartung/Pflege:

Winterfestes System, ab und zu kontrollieren ob alles noch gut funktioniert und dass das Wasser richtig heraustropft.

 

Preise:

Ca. 5 €/m

 

Herrsteller:

z.B. Netafim,

 

Bezug:

Bau- und Fachmärkte, Internet

 

Anwendung:

ganzjährig

 

Vorteil:

Ein offensichtlicher Vorteil ist die Einsparung von Wasser durch exakte Aufbringung des Wassers unter Vermeidung von Verdunstungsverlusten. Vorteilhaft ist das Verfahren besonders bei Böden mit geringer Wasserspeicherkapazität, da die Pflanzen sonst bald unter Wasserstress stehen und mit negativer Auswirkung auf ihre Entwicklung reagieren.

Wassereinsparung bedeutet meist auch Kosteneinsparung. Tropfbewässerungen sind in der Anschaffung kostenintensiver als andere Systeme, was aber jedoch schnell durch die Einsparung von Wasser kompensiert wird. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Blätter nicht benetzt werden und somit Pilzerkrankungen der Pflanzen nicht weiter gefördert werden.

 

 

Teil 3             Pflanzen

Die richtigen Pflanzen für Ihren Garten

Bei den Klimatischen Veränderungen in unseren Gärten müssen wir auch die Pflanzenauswahl kritischer beleuchten. Wir sehen es zunehmend das nicht mehr alle Pflanzen wie gewohnt wachsen und sich entwickeln wollen. Diese Entwicklung der sehr schnell fortschreiten Klimaveränderung können viele unsere Pflanzen nicht so schnell Schritt halten. Wichtig ist es jetzt geeignete Pflanzen und auch Pflanzkonzepte zu entwickeln. In kürze einige Möglichkeiten:

-Verwendung von widerstandsfähigen, resistenten, hitze-, trockenheitstoleranten, robusten, heimischen vielfältigen samenfesten, tief wurzelnden Sorten und Arten bevorzugen. (z.B.  „Klimapflanzen“ und „Klimabäume“)

-Pflanzen mit ungefüllten Blüten für unsere Insektenwelt verwenden

-Möglichst eine Fruchtfolgegestaltung und/oder Mischkulturanbau wählen

-Einsatz von Pflanzen für die Dach- und Fassadenbegrünung als natürlicher Staubfilter mit guten Dämmungseigenschaften

-Mehrung des Grünvolumens zur CO2 Senkung, Schattenbildung und Luftfeuchte erhöhen

-Anbautermine von Gemüse verändern ca. 1 Monat nach vorne und hinten verschieben)

-Verstärkt eine Auswahl von Nutzpflanzen „Exotische Pflanzen“ aus wärmeren Regionen wählen

-Blühfolge der Pflanzen beachten für ein reichhaltige Nahrung der Insekten

-Möglichst Wildformen der Pflanzen bevorzugen (z.B. Kartoffelrose)

Pflanzen die mit den Klimaveränderungen besser zu recht kommen sind Pflanzen mit geschlitzten oder Fiederblättern ledrigen oder/und behaarten Blättern, welche die Pflanze vor zu starker Verdunstung schützen soll.

Problem kleinerer Obstgehölze

Bei unseren Obstgehölzen haben wir das Problem, das sie für unseren Garten nicht so groß werden sollen und somit auf schwach wachsenden Unterlagen veredelt wurden. Diese Unterlagen (Wurzeln) kommen bei langandauernder Trockenheit nicht mehr an ausreichend Wasser heran. Reaktion der Bäume ist ein frühzeitiger Laubfall, höhere Anfälligkeit gegenüber Schadinsekten, Kronen trocknen von oben ab und ähnliches mehr. Daher ist es bei allen Obstgehölzen auf schwach wachsenden Unterlagen (kleinere Obstgehölze) notwendig das eine zusätzliche Bewässrung stattfindet. Gut eignen sich Wassersäcke, die auch im öffentlichen Grün verwendet werden, aber auch ein richtiger Giessrand der regelmäßig befüllt wird wäre sehr hilfreich.

Probleme bei bestimmten Gemüsepflanzen

Der Blumenkohl benötigt niedrige Temperaturen um den Wechsel von der Blattbildung zur Anlage einer Blüten- und Samenanlage (Vernalisation) zu bekommen. Für diese Umstellung benötigen die Blumenkohlpflanzen, etwa im 8-Blattstadium, eine kühle Periode. Dabei bilden die Pflanzen zunächst einmal einen Blumenkohlkopf (Blume), der sich viel später zu einem Blütenstand streckt und Samen bildet. Wenn aber eine längere Periode höhere Temperaturen von über 20C° zu erwarten sind kann diese Phase nicht durchlaufen werden und es bildet sich keine Früchte aus.

 

Welche Pflanzen sich gut für unseren Garten eignen

Wir können in Zukunft mehr exotische Nutzpflanzen im Garten halten. Wie z.B. Auberginen, Paprika, Chili, mediterrane Kräuter, Aprikosen, Pfirsiche, Quitte, …

Probleme für unsere Pflanzen

Hitzeschäden an Früchten, Blättern und Stämme; neue tierische Schädlinge die sich an höhere Temperaturen angepasst haben, wie Thripse und Zikaden. Pflanzen haben Stress, können Erderwärmung, Rekordhitzesommer und Extremwetterlagen nicht immer gut verkraften.

Wir sehen jetzt sehr deutlich welche Pflanzen die trocknenden und warmen Jahre in unseren Gärten gut oder weniger gut überstehen. Wichtig sind die richtige Pflanzenauswahl sowie die angepassten Pflege- und Pflanzarbeiten. Gehen Sie neue Wege probieren Sie viel aus und erzählen es weiter.

 

Teil 4             Tiere

Im Klimawandel gibt es Verlierer und Gewinner – die Tiere

Auch Tiere merken die Veränderungen auf unserem Planeten. Einige können sie gut wegstecken und sich weiter auf dem Planeten behaupten andere wiederum haben es schwer sich in der veränderten Welt weiter zu entwickeln. Die Natur hat die Evolution genutzt, um Tiere anpassungsfähiger zu gestalten, aber es brauch hierfür eine gewisse Zeit, um diese zu verwirklichen. Der Klimawandel geschieht in einem Jahrzehnt, die Evolution in einem Jahrhundert bis Jahrtausend. Einige Tiere werden es schwer haben mit den veränderten Lebensbedingungen zurecht zu kommen.

Auch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten von Vögeln ist zu beobachten. Viele Vogelarten fliegen im Hebst nicht mehr nach Süden und verbleiben in unserer Region. Dazu gehören Bachstelze, Distelfink, Haus-Rotschwänzchen, Mönchsgrasmücke oder Zaunkönig. Der Hauptgrund für Ihr Verhalten sind die milderen Wintertemperaturen. So kehren auch Vogelarten wie die Singdrossel früher aus dem Süden zurück. Zur Unterstützung der hier gebliebenen Vogelarten ist die Fütterung durch Vogelfutter sehr gut geeignet es sollten aber auch viele Pflanzen zu Ernährung zur Verfügung gestellt werden.

Ein großes Problem stellt das anhaltende Insektensterben da. Insekten sind für ein intaktes Pflanzen- und Tierleben notwendig. Fehlt ein Glied in der Kette hat dies große Auswirkungen auf unser Ökosystem. Ein Beispiel sei hier genannt: durch den Insektenschwund haben es viele unsere Singvögel schwer an Nahrung zu kommen und verschwinden zusehends aus unserer Landschaft.

Zwischen 1989 und 2016 hat die Biomasse fliegender Insekten in einigen Regionen Deutschlands im Durchschnitt um 76% abgenommen. Zahlen stammen aus der Studie des Entomologischen Vereins Krefeld.

Die Frage ist: Warum verschwinden soviel Insekten bei uns?

Mögliche Ursachen können sein: konventionelle Landwirtschaft, Klimawandel, Urbanisierung, Mobilfunkstrahlen, …

Welche Möglichkeiten haben wir, um die Vielfalt an Tieren in unseren Gärten zu erhöhen

  • Anlegen von Wildstrauchhecken
  • Schaffung von Biotopen, Gartenteich (kein Fischbesatz) und Wasserstellen
  • Anlegen von Steinhaufen
  • Aufbau von Insektenhotels
  • Anbieten von Nistplätzen
  • Anpflanzung einer Vielfalt von Pflanzen, ungefüllte Blüten verwenden (Nektarpflanze)
  • Blühzeiten für das ganze Jahr schaffen
  • Wildformen bevorzugen
  • Blumenwiesen (auf magere Böden, Sandböden, sonnige Standorte)
  • Totholzhaufen schaffen
  • Anlegen von Sandinseln

 

Teil 5             Gartengestaltung

Am Beginn steht der -Gartenplan

Ein wichtiger Bereich zum nachhaltigen Gärtnern ist die Gestaltung eines Gartens. Hier sehen wir sehr große Unterschiede. Von sterilen Rasenflächen über immergrüne Gehölzwände ohne Leben, monotone Steinwüsten aber auch eine zu starke Versiegelung der Gartenflächen oder der reine Spassgarten von Pools über Hüpfburgen die kein Leben an diesen Flächen ermöglichen. Unsere Insektenwelt benötigt heimische Pflanzen als Nahrung und eine Vielfalt an Lebensraum. Und diese Vielfalt an Pflanzen und Lebensräumen macht einen naturnahen Garten aus. Nicht nur Hummeln, Bienen, Schmetterlinge und Vögel haben Freude am naturnahen Garten, sondern auch uns gibt so ein Garten viel mehr als ein monoton gestaltetes Umfeld ohne Vogelgezwitscher. Zudem macht ein Naturgarten oft weniger Arbeit und bringt biologisch gute Erträge durch eine breite Insektenwelt der Bestäuber unserer Nutzpflanzen. Für eine naturnahe Gartengestaltung ist es wichtig den Gartenfreund von vielfältigen Faktoren zu überzeugen und den Mut zu haben mehr für die Natur zu machen als für uns in einem Museum oder Wohnzimmer. Man sollte einen naturnahen Garten aber nicht mit einer Wildnis verwechseln das hat eigentlich nichts mit einem naturnahen Garten zu tun. Naturschutz und Ästhetik sind kein Widerspruch, sondern lassen sich wunderbar ergänzen. Mit farbenfrohen, duftenden, einfach gefüllten Blüten zum Beispiel. Sie sind nicht nur für uns eine Bereicherung, sondern auch für die Tier- und Insektenwelt.

Nützliche Tipps zur naturnahen Gartengestaltung:

 

  1. Pflanzenwelt
  • Möglichst heimische Pflanzen für die Tierwelt bevorzugen
  • Auswahl der Pflanzen für einen reichen Blütenzeitraum (von März bis Oktober)

Das kontinuierlich etwas blüht, das sich die Insekten ernähren können und wir uns freuen können.

  • Auswahl von Pflanzen die größere Samenstände bilden und so im Winter der Tierwelt Nahrung geben können.
  • Auswahl von Pflanzenarten und Sorten die mit den Standortbedingungen (Boden, Klima, …) besser zu recht kommen.
  • Schaffung einer Blumenwiese und diese auch jedes Jahr wieder durch Pflanzen ergänzen (Aufrauen und Nachsaat)
  • Schaffung von Lebensräumen für Wildpflanzen
  • Nach der Ernte der Gemüsebeete mit Gründüngungspflanzen arbeiten

 

  1. Lebensraum
  • Schaffung von offenen Flächen für Wildbienen, z.B. Sandbeete
  • Schaffung von Trockenmauern, Steinhaufen für Eidechsen
  • Schaffung von Teichen für Libellen
  • Schaffung von Totholzhaufen für diverse Kleintiere
  • Schaffung von diversen Versteckmöglichkeiten für Tiere im Garten

 

 

  1. Einsatz von Materialien
  • Einsatz von Kompost und Verzicht auf Torf und anderen zugekauften Substraten
  • Auf Kunststoffe im Garten verzichten, wie: Beetumrandungen, Kompostbehälter, Pflanzschalen, Mulchfolien und ähnlichem
  • Verzicht auf Tropenhölzer beim Terrassenbau
  • Verzicht auf Teerpappe am Gartenhaus
  • Verzicht auf sämtliche Chemikalien im Garteneinsatz vom Dünger über Pflanzenschutzmittel und Ähnlichem
  • Verzicht auf eingefärbte Rinde auf Pflanzbeeten
  • Einsatz von regionalen Materialien, um lange Transportwege zu vermeiden
  • Wiederverwendung von Materialien
  • Haltbarkeit von Materialien bedenken z.B. lieber Douglasienholz für Hochbeete verwenden als Kiefernholz, welches schneller verrottet

 

 

Teil 6             Pestizide

Ein Ende von Glyphosat

 

Ein großer Sammelbegriff im Bereich der Pflanzenschutzmittel stellt der Begriff der Pestizide da. Unter den Pestiziden finden wir auch den großen Bereich der Unkrautvernichtungsmittel (Herbizide) wieder. Und hier ist das Unkrautmittel „Glyphosat“ in aller Munde. Es ist überfällig ein Verbot für den Haus- und Kleingartenbereich auf Bundesebene durchzusetzen. In unserem Landesverband geschah es 2018 ein generelles Verbot in allen Kleingartenanlagen die dem Landesverband angeschlossen sind zu verabschieden. Natürlich ist es mit so einem wichtigen Beschluss noch nicht alles. Jetzt sind jeder Bezirksverband und jede Kleingartenanlage gefragt diesen Beschluss in die Wirklichkeit umzusetzen und zu kontrollieren. Aber das wichtigste ist, es in das Bewusstsein jedes Kleingärtners zu bringen das wir in unseren Gärten ohne Herbizide und am besten ohne jegliche Pestizide arbeiten wollen. Nur so können wir eine nachhaltige und Zukunft fähige Gartenbewirtschaftung in unseren Kleingärten realisieren. Nach der großen Gruppe der Herbizide gibt es noch weitere Gruppen der Pestizide die wir nicht in unsere Gärten bringen sollten. Es handelt sich um Insektenbekämpfungsmittel (Insektizide).

Als Besonders schädlich sind dabei die Nervengifte die aus der Gruppe der sogenannten Neonikotinoide stammen. Ein Wirkstoff der sich häufig in Insektenmittel wiederfindet ist Thiacloprid. Diese Stoffe stören auch das Orientierungsvermögen und Gedächtnis der nützlichen Bienen und schwächen ihr Immunsystem. In der Folge finden die Tiere nicht mehr zu ihrem Stock zurück und werden anfälliger für Krankheiten, die zum Kollaps des ganzen Bienenvolkes führen können. Helfen sie mit das wir unsere Gärten pestizidfrei bekommen. Dies wäre ein kleiner Schritt eines jeden Gartenfreundes und ein großer Schritt für unsere Gesellschaft.

 

 

Teil 7             Torf

Verzicht auf die Anwendung von Torf im Kleingarten „Gärtnern ohne Torf„

 

Torf gehört nicht in den Garten, sondern soll im Moor verbleiben und der Lebensraum Moor soll somit erhalten bleiben!

 

Im naturnahen Garten benötigen wir keinen Torf!

Als wichtigstes Bodenverbesserungsmittel im Garten steht der Kompost ohne

Verwendung von torfhaltigen Produkten an erster Stelle.

 

Der weltweite Torfverbrauch heizt die Erderwärmung noch stärker an, denn im

gelagerten Torf sind große Mengen an Kohlendioxid gebunden. Intakte Torfflächen binden ca. 700 Tonnen CO2/ha. Das sind ca. 6 bis 7x mehr als die gleiche Fläche an Wald. Wird der Torf abgebaut und kommt mit der Luft in Kontakt, zersetzen sich die organischen Stoffe. Dabei wird CO2 freigesetzt, das vor Millionen Jahren aus der Atmosphäre entnommen wurde. Torf entwickelt sich nur sehr langsam. Für einen Meter Torf vergehen bis zu 1.000 Jahre. Der Mensch hat in kurzer Zeit viele Moorgebiete vernichtet. Mit der Zerstörung der Moore verlieren auch viele Tier- und Pflanzenarten ihre Lebensgrundlage. Moore bedecken nur 3% der Landfläche unserer Erde, aber sie binden doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Welt zusammen. Mit dem Torfabbau werden große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt und beschleunigen so den weltweiten Klimawandel.

 

Als Alternativen zum Torf sind viele verschiedene organische Stoffe zu nennen: Komposterden, Rindenhumus, Holzfasern, Laub- und Nadelstreu. Für eine gleichwertige Blumenerde oder andere Substrate werden Komposte z.B. mit Lava, Bims, Sand, Perlite oder auch mit Ton versetzt. Diese Substrate können in den Nährstoffgehalten und im pH-Wert stärker schwanken. Das sollte man beim Kauf von torffreien Erden/Substraten bedenken, dies ist aber kein Hinderungsgrund zum Kauf torffreier Erden.

 

Die Frage stellt sich: Warum wurde Torf überhaupt gern eingesetzt? Er ist als Ausgangsstoff für die Industrie billig, leicht abbaubar und gleichmäßig nährstoffarm und homogen. Er kann durch industrielle Verarbeiter einfach und gezielt aufgedüngt werden und ist damit ideal für den Gartenbau.

 

In Bezug auf die Wasserversorgung stellt Torf keinen guten Pflanzenstoff dar. Ist er einmal ausgetrocknet, lässt er sich nur wieder schwer benässen. Torf ist aber ein guter Wasserspeicher.

 

Die Gartenfreunde können durch einen Verzicht auf Torf den Umweltgedanken stärken und leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Arbeiten Sie bitte ohne Torf im Garten !!!

 

 

Teil 8             Dünger

Nahrung für unsere Pflanzen

 

Jede Pflanze in unserem Garten benötigt Nahrung, in Form von Dünger, um sich optimal zu entwickeln. Die Natur bietet den Pflanzen organisches Material in jeglicher Form immer wieder aufs Neue an. Diese organischen Stoffe werden oft zu großen Teilen immer wieder durch uns entfernt und müssen so immer wieder zugeführt werden. Möglichkeiten gibt es viele nur leider sind nicht alle nachhaltig für uns und die Natur. Grundsätzlich haben mineralische Dünger nichts im naturnahen Garten zu suchen. Durch den Einsatz von mineralischen Düngern werden in kurzer Zeit zu viele Mineralien für die Pflanze zu Verfügung gestellt, welche sie gar nicht verarbeiten kann und so werden viele Mineralien unweigerlich ausgewaschen und schädigen das Grundwasser. Außerdem reichern sich einige Salze im Boden an und können Ihn nachhaltig schädigen. Bei der Verwendung von organischen Düngern gibt es für uns eine Vielzahl an Möglichkeiten. Angefangen von der Gründüngung, bei der organische Masse gebildet und z.B. Luftstickstoff ins Erdinnere gebracht wird. So können die Pflanzen ausrechend mit Stickstoff versorgt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die aktive Kompostwirtschaft im Garten, bei der der beste Dünger mit vielen wichtigen Nährstoffen für unsere Gartenpflanzen produziert wird. Diese Produktion übernehmen eine Vielzahl von Pilzen, Mikroorganismen und Bodentieren für uns. Der Dünger wird an Ort und Stelle produziert und bildet eine Kreislaufwirtschaft. Alle organischen Dünger geben die Nährstoffe langsamer und gleichmäßiger an unseren Pflanzen ab. Hinzu kommt der wunderbare Humusaufbau in unserem Garten, so dass sich Wasser und Nährstoffe noch im Boden halten können. Auch organische Flüssigdünger sind selbst herstellbar. Es werden einfach Brühen aus geeigneten Pflanzen, z.B. Brennnessel, div. Kräutern oder Schachtelhalm angesetzt.

Helfen auch Sie mit das der Garten ein Stückchen nachhaltiger wird!

 

 

Teil 9             Rechtliches

Recht für unsere Natur

 

Viele Gesetzte und Verordnungen gibt es auch rund um den naturnahen Garten, aber zum Schluss zählt immer was umgesetzt werden kann, um die Natur zu schützen und zu fördern. So gibt es eine Richtlinie über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten (Richtlinie 79/409/EWG) oder kurz Vogelschutzrichtlinie. Diese wurde am 2. April 1979 vom Rat der Europäischen Gemeinschaft erlassen. Ein sehr wichtiges Gesetz in Deutschland die aktuell 138 Tier- und Pflanzenarten im Anhang IV der FFH-Richtlinie schütz stellt das Bundesnaturschutzgesetz dar. Zum Schutz von Bäumen gibt es in Berlin seit 1982 die Baumschutzverordnung die bestimmte Bäume in einer gewissen Größe schütz. Das Bundesbodenschutzgesetz von 1998 das zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten geschaffen wurde ergänzt bereits wichtige Gesetze und Verordnungen. Hiermit wurde das letzte Gut im Naturhaushalt unter Schutz gestellt. Zur Verbesserung des Nachhaltigkeitsgedanken wurde 2012 das Kreislaufwirtschaftsgesetz geschaffen, um die natürlichen Ressourcen zu schonen.

Und nun zurück zu unseren Möglichkeiten im Kleingarten. Hier gibt es das wichtige Bundeskleingartengesetz von 1983 welches viele Bereiche im Kleingarten regelt und auch eine gewisse Schutzfunktion für uns Kleingärtner darstellt.

Unter § 3 Bundeskleingartengesetz heist es:

(1) ….. Die Belange des Umweltschutzes, des Naturschutzes und der Landschaftspflege sollen bei der Nutzung und Bewirtschaftung des Kleingartens berücksichtigt werden. Jeder Kleingartenverein hat seine eigene Vereinssatzung und Gartenordnung, die sich am Bundeskleingartengesetz orientiert.

Versuchen wir gemeinsam vorhandene Gesetzte und Verordnungen den veränderten Bedingungen immer wieder anzupassen so dass wir nachhaltig unsere Natur auch für die Zukunft sichern können.

 

 

Teil 10           Ausblick

Zukunft beginnt jetzt

 

Zu allen behandelten Themen, angefangen von den Grundelementen Boden und Wasser über das Leben der Pflanzen und Tiere in unseren Gärten über die richtige Gartengestaltung und Bewirtschaftung, die Verwendung von Pestiziden, Torf und Dünger im Rechtlichen Kontext stellte die Serie „Naturnahes Gärtnern“ eine ganze Reihe von praktischen Informationen für Sie bereit.

Mit zunehmender menschengemachter Veränderung in unserem Naturhaushalt werden wir verstärkt Veränderungen in unserem Garten bemerken, bei denen wir schon frühzeitig gegensteuern sollten. Das größte Problem ist die zunehmende Klimaveränderung, die uns alle betreffen wird. Versuchen wir so gut es geht den Garten naturnah- und klimagerecht zu gestalten und zu bewirtschaften. Das ist eine große Herausforderung für uns Gartenfreunde, die uns aber auch Respekt in der Stadtgesellschaft bringen wird. Versuchen wir die Natur zu verstehen und arbeiten mit Ihr zusammen für ein Zukunft fähiges Kleingartenwesen in unserer Stadt.

 

Sven Wachtmann

2020/21